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11.06.2010
Joachim Standfest wechselt nach Graz - ein Kommentar

Standfest

Bei der Wiener Austria läuft die Vorbereitung auf die Jubiläumssaison 2010/11, in der der Traditionsverein seinen 100.Geburtstag feiert, schon wieder auf Hochtouren. Die im Frühjahr 2010 so erfolgreich zusammengewachsene Mannschaft und die Fans fiebern dem Saisonstart entgegen - große Ziele hat man sich für die neue Saison gesteckt, die Stimmung ist positiv, um nicht zu sagen euphorisch.

Mitten in den Trainingsauftakt am 7.6. platzte jedoch eine Transfermeldung:

Joachim Standfest wechselt nach dreieinhalb Jahren in Wien "nach Hause" zu Sturm Graz. Besonders überraschend kam dieser Wechsel nicht, hatten sich doch diesbezüglich die Gerüchte in den letzten Wochen verdichtet. Standfest, der einst vom GAK zur Austria gekommen war und sich zu einem der wichtigsten Führungsspieler der Veilchen entwickelt hatte, hatte in den letzten Wochen den Wunsch geäußert, aufgrund privater Probleme nach Graz zu wechseln, um näher bei seiner dort lebenden Frau und seinen drei Töchtern zu sein.

Wochenlang wurde zwischen Wien und Graz um die Ablösesumme für den ehemaligen Teamspieler gefeilscht. Je länger das Tauziehen dauerte, desto eher gingen viele Beobachter davon aus, dass schließlich aus dem Transfer nichts werden würde.

Doch als am 7.6 schließlich verkündet wurde, man sei einander entgegengekommen und Standfest hätte bereits seinen neuen Vertrag unterschrieben, traf die Nachricht - nach längerem Überlegen - viele Austriafans doch noch um einiges härter, als sie das erwartet hätten.

Auch wenn man in den letzten dreieinhalb Jahren fast bei jedem Spiel jemanden gefunden hatte, der sich über "Jocki" aufregte, jetzt merkten mit einem Mal viele, dass sie den Grazer doch liebgewonnen hatten.Sicher, für einen Außenverteidiger auf seiner Position ließen seine Flanken manchmal zu wünschen übrig - und hin und wieder machte er selbst herausgespielte Chancen durch nicht besonders präzise Schüsse zunichte. Oft genug hörte man bei Austria-Spielen jemanden murmeln, wenn Standfest den Ball erkämpft hatte - "super Joachim, gut gemacht - nicht flanken!"
Was keineswegs böse gemeint war, man wusste einfach, dass das nicht gerade seine Stärke war. Und auch er gab ehrlich zu, anderes besser zu können.

Und trotzdem, besonders in den letzten Wochen der vergangenen Saison, als er als Kapitän Milenko Acimovic vertrat, aber auch davor in entscheidenden Spielen, zeigte der Steirer auch seine Qualitäten - unglaubliche Ausdauer (er war fast immer derjenige, der die meisten Kilometer pro Spiel zurücklegte), Einsatz und eine gute Übersicht. Auch seine Flanken wurden in den letzten Wochen immer präziser. Mehr als sein Einsatzwille machten Standfest jedoch seine Führungsqualitäten und seine immer ehrlichen und sympathischen Äußerungen bei den Austria-Fans, sowie seine Loyalität dem Verein gegenüber (obwohl manche das nicht freiwillig zugegeben hätten) beliebt und ließen mit der Zeit einen beträchtlichen Respekt entstehen.

Die Gründe, warum er nach Graz zurückwechselte, verstanden alle - und sportlich findet man sich doch eher damit ab, steht angeblich bereits sehr guter Ersatz mit dem 21 Jahre alten Fabian Koch von Wacker Innsbruck vor der Tür.

Doch als ein Interview Standfests veröffentlicht wurde, in dem er sagte:

"Egal ob finanziell oder sportlich - bei Sturm ist es nicht das, was es bei der Austria ist. Noch dazu kommt bei der Austria dazu, dass der 100. Geburtstag ansteht. Es ist eine Riesen-Euphorie da. Ich würde mir auch wünschen, dass die Mannschaft nächste Saison Meister wird." (laola1.at)

waren selbst die hartgesotteneren Standfest-Kritiker ein wenig überrascht - und viele fast ein wenig gerührt, solche Worte zu hören. Wusste man zwar, dass er sich in Wien wohlgefühlt hatte, und gerne geblieben wäre, aber es tat trotzdem seltsamerweise gut, soetwas zu lesen.

Und die Stimmung, die noch am Montag überwiegend von "gottseidank haben wir diese Baustelle erledigt" geprägt war, schlug komplett um. Der Respekt, den sich Standfest erarbeitet hatte, war inzwischen bei der Mehrheit der Austria-Fans doch durchgekommen .. fast ein wenig sentimental lesen sich derzeit viele Abschiedspostings in Foren und wirken viele Veilchen, wenn man sie auf das Thema anspricht..

Auch wenn jeder akzeptiert, dass Joachim Standfest in seiner Situation nicht anders konnte - in Wien-Favoriten wird der sympathische Grazer in bester Erinnerung behalten und schmerzlich vermisst werden .. und herzlicher Willkommensapplaus bei Spielen gegen Sturm Graz ist ihm jetzt schon sicher.

Dazu ist er in den letzten Jahren eindeutig - auf seine ganz eigene Weise - zu "einem von uns" geworden.

ALLES GUTE UND BIS BALD, JOACHIM!

violetangel33@hotmail.com

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